Traumtanz: Malmö FF 1978/79

malmo-ff-logoBob Houghton strahlte über das ganze Gesicht. Und er hatte allen Grund dazu. Malmö FF, der kleine Klub aus Südschweden, stand im Finale des prestigeträchtigsten europäischen Wettbewerbs, und das war ganz allein sein Verdienst. Der englische Coach war gerade mal 26 Jahre jung, als er 1974 von Bobby Robsons Betreuerstab bei Ipswich Town zu den Himmelblauen wechselte. Drei Meistertitel und fünf Jahre später fuhr er auch auf europäischer Ebene die Ernte seiner erstaunlichen Arbeit ein, denn mit einem derartigen Husarenritt hatten nicht einmal die größten Optimisten gerechnet. Und die Experten schon gar nicht.

Als schwedischer Titelträger des Kalenderjahres 1977, MFF hatte sieben Punkte zwischen sich und eine Dreier-Verfolgergruppe gelegt, durften die Himmelsblåe im Europapokal der Landesmeister 1978/79 ran. In den vorangegangenen Spielzeiten hatten sich die Houghton-Schützlinge immer ganz respektabel verkauft, waren aber nie sonderlich weit gekommen. Drei Jahre zuvor zum Beispiel hatte Malmö in der ersten Runde der Königsklasse den 1.FC Magdeburg ausgeschaltet und in der zweiten Runde Titelverteidiger Bayern München schon am Rande einer Niederlage. Nach dem 1:0 im Malmö Stadion hielten die Himmelblauen lange Zeit ein 0:0, ehe Bernd Dürnberger per Strafstoß (59’) und ausgerechnet der Schwede Conny Torstensson (77’) den deutschen Meister ins Viertelfinale beförderten. Die Münchner holten später zum dritten Mal in Folge den Titel.

In dieser Saison wollte es Malmö besser machen und den ordentlichen Vorstellungen auch vorzeigbare Resultate folgen lassen. Immerhin war die Mannschaft über Jahre zusammengewachsen. Mit den Abwehrrecken Roland und Roy Andersson sowie Ingemar Erlandsson und Krister Kristensson verfügte sie über eine stattliche Defensivabteilung, hinter der der herausragende Keeper Jan Möller stand. Hinzu kam der Offensiv-Oldie Bosse „Bo“ Larsson, der sich bereits 1963 und ’65 im Malmö-Trikot als Torschützenkönig der Allsvenskan feiern lassen durfte und anschließend vom VfB Stuttgart abgeworben wurde. Nach drei Jahren kehrte er in die Heimat zum MFF zurück, sicherte sich 1970 erneut die Torjägerkanone und wurde 1973 mit dem Guldbollen, gleichbedeutend mit dem Titel „Spieler des Jahres“, ausgezeichnet – eine Ehre, die ihm bereits 1965 zuteil geworden war. Nun, mit 34 Jahren, stand Bo Larsson also noch immer voll im Saft.

AS Monaco

Doch der Start auf der europäischen Bühne verlief äußerst holprig. Gegen den französischen Meister AS Monaco kamen die Himmelblauen vor heimischer Kulisse nicht über ein müdes 0:0 hinaus. Nur 5.473 Zuschauer wollten diese Partie sehen, allzu viel schienen sie in Malmö ihrem Team nicht zuzutrauen, denn auch in der Meisterschaft, wo Östers IF der Houghton-Truppe den Rang abzulaufen drohte, lief es noch nicht rund. Aber der Trainer baute auf seine starke Abwehr und fürchtete auch die Heimstärke der Monegassen nicht, die in der Qualifikationsrunde Steaua Bukarest mit 3:0 aus dem Stade Louis II gefegt hatten. Der Klub aus dem Fürstentum war als Aufsteiger geradewegs zur Meisterschaft gestürmt und feierte seine génération dorée, seine goldene Generation, mit Spielern wie Torwart Jean-Luc Ettori, Abwehrboss Roland Courbis sowie den Stürmern Christian Dalger und Delio Onnis, einer wahren Tormaschine. Gegen die Hintermannschaft der Himmelblauen war allerdings an jenem Septemberabend kein Kraut gewachsen. In der 35. Minute erzielte Jan-Olof Kindvall den einzigen Treffer dieser Partie und wurde nach dem Schlusspfiff von seinen Mitspielern jubelnd vom Platz getragen.

DYNAMO KIEW

Im Achtelfinale wartete der sowjetische Champion Dynamo Kiew, der seine Heimspiele im 400 Kilometer östlich gelegenen Charkov austrug. 48.000 siegessichere Zuschauer im Stadion Metallist mussten tatenlos mit ansehen, wie den Ukrainern kein Mittel einfiel, um Malmös Betonabwehr zu knacken. 90 Minuten belagerte Dynamo den Strafraum der Himmelblauen, aber Möller und Co. hielten die Null. Die Euphorie in Südschonen hielt sich nach dem neuerlichen starken Europapokalauftritt in Grenzen, wenigstens strömten zum Rückspiel knapp 13.600 Besucher ins Malmö Stadion. Vor der gewohnten Abwehrformation ließ Houghton Magnus Andersson, Staffan Tapper und Anders „Puskás“ Ljungberg auflaufen, hinter den Spitzen Larsson und Tore Cervin agierte Kindvall. Und zu Hause war MFF durchaus in der Lage, auch mal das Spiel anzutreiben. Nach gerade mal neun Minuten machte Cervin seinem Vornamen alle Ehre und brachte die Himmelblauen mit 1:0 in Führung, noch vor der Pause erhöhte Kindvall nach einer Larsson-Ecke auf 2:0.

Dem hatte der konsternierte Meister aus der UdSSR nichts entgegenzusetzen. Im vierten Spiel in Folge blieb die Malmö-Abwehr unbezwungen und war der Hauptgarant dafür, dass MFF 18 Jahre nach dem Lokalrivalen IFK Malmö ebenfalls ins Viertelfinale der Königsklasse einzog. Das Rezept von Trainer Houghton, typisch schwedische Eigenschaften wie Teamgeist, Gerechtigkeitssinn und Loyalität mit englischen Tugenden wie Kampfkraft und akribische Vorbereitung zu kombinieren, zahlte sich aus.

Wisła Krakau

wisla-malmo„Am liebsten wären uns die Grasshopper Zürich“, sagte Houghton vor der Auslosung. Gezogen wurde allerdings mit Wisła Krakau ein Team, das eine prominente Wahrsagerin als neuen Europapokal-Sieger vorausgesagt hatte. Der polnische Titelträger machte jedoch im Frühjahr 1979 eine schwere Zeit durch. In der Vorsaison war das Team von Trainer Orest Lenczyk noch ohne Heimniederlage Meister geworden, nun steckte es mitten im Abstiegskampf. Das nötige Selbstvertrauen holten sich die Krakauer im Europapokal, immerhin hatten sie in der ersten Runde den Vorjahresfinalisten Club Brügge eliminiert.

Die Abwehrstärke des Malmö FF hatte sich derweil bis nach Polen herumgesprochen, aber Wisła hielt mit Kazimierz Kmiecik einen begnadeten Torjäger dagegen. Großes Minus für die Schweden war die lange Winterpause, in der sie sich befanden, weshalb es ihnen an der entsprechenden Spielpraxis mangelte. Vor 35.000 Zuschauern begann Krakau entsprechend offensiv – und lief prompt in einen Konter. Joker Tommy Hansson, für Larsson in die Startelf gerückt, rechtfertigte seine Nominierung nach 13 Minuten mit der überraschenden 1:0-Führung für die Himmelblauen. Aber diesmal wurde es nichts aus dem Nach-Hause-Schaukeln. Die Polen entwickelten nun einen immensen Druck, und schließlich war es Adam Nawałka, der die MFF-Abwehr erstmals knackte (26’). Mit dem 1:1 hätte Bob Houghton sicher gut leben können, aber die Platzherren wollten mehr. Bis fünf Minuten vor dem Ende hielt das Bollwerk den wütenden Wisła-Angriffen stand, dann schlug Goalgetter Kmiecik mit dem 2:1-Siegtreffer für Krakau zu.

Bo Larsson war derweil von Houghton umfunktioniert worden. Mal spielte der Ex-Torjäger wie gewohnt im Sturm, hauptsächlich aber im Mittelfeld und gegen Krakau ersetzte der Tausendsassa den angeschlagenen Krister Kristensson, mit 348 Erstliga-Einsätzen Malmös Rekordspieler, in der Abwehr. Im Rückspiel fiel Larsson allerdings nach einer halben Stunde verletzt aus, Diagnose: Kreuzbandriss, Karriereende. Für ihn kam der junge Kent Jönsson. Nach torloser erster Hälfte deutete alles auf ein Ende des europäischen Abenteuers hin, und in der 58. Minute kam es knüppeldick: Wieder war es Kmiecik, der die MFF-Hintermannschaft überlistete und zum 0:1 einnetzte. Jetzt mussten mindestens zwei Treffer her, um zumindest die Verlängerung zu erreichen. Es folgten die starken fünf Minuten des Anders Ljungberg, den seine Kameraden in Anlehnung an den berühmten ungarischen Stürmer einfach nur „Puskás“ riefen. Als der deutsche Schiedsrichter Walter Eschweiler nach 67 Minuten auf den Punkt deutete, verwandelte Ljungberg den Strafstoß zum 1:1 und erhöhte nur kurz darauf (72’) mit seinem zweiten Treffer auf 2:1. Die Polen waren geschockt, und Malmö bekam noch einmal die zweite Luft. Von wegen Defensivkünstler! Plötzlich entfachten die Himmelblauen einen ordentlichen Angriffswirbel, der sogar noch in der regulären Spielzeit von Erfolg gekrönt wurde. Zunächst schraubte Cervin das Resultat auf 3:1 (80’) und in der Schlussminute besorgte wiederum der bärtige Ljungberg vom Elfmeterpunkt das 4:1.

Als erster schwedischer Klub überhaupt stürmte Malmö FF in ein Europapokal-Halbfinale, und auf den großen Plätzen der Hafenstadt, dem Stortorget vor dem Rathaus und dem Gustav Adolfs torg im Zentrum, feierten die Fans den größten Erfolg der Klubgeschichte. Nicht Stockholm, nicht Göteborg, sondern Malmö hatte den schwedischen Fußball in die Schlagzeilen gebracht!

Austria Wien

Und es sollte noch besser kommen, denn die Halbfinal-Auslosung bescherte den Himmelblauen den vermeintlich schwächsten im Lostopf verbliebenen Gegner. Während die britischen Überflieger von Nottingham Forest es mit dem deutschen Meister 1.FC Köln zu tun bekamen, ermittelten Malmö und Austria Wien den zweiten Finalteilnehmer. „Wenn wir in Wien unsere spielerischen Vorzüge entscheidend zur Geltung bringen, müsste ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung im Bereich des Möglichen liegen“, frohlockte Austria-Coach Hermann Stessl. Houghton entgegnete: „Die Austria müsste zu packen sein.“

Die Österreicher um Herbert Prohaska und Walter Schachner standen nur wenige Monate zuvor immerhin im Finale des Cups der Pokalsieger (0:4 gegen RSC Anderlecht), waren aber mit einer blamablen 0:2-Niederlage gegen den albanischen Vertreter Vllaznia Shkodër in den Wettbewerb gestartet. Doch die „Violetten“ fingen sich und zogen erneut in das Halbfinale eines Europapokals ein. Houghton hatte seine Jungs zwölf Tage lang im warmen Sevilla um sich versammelt und optimal vorbereitet. Ohne Leitwolf Larsson und den grippegeschwächten Ljungberg. 65.000 Zuschauer säumten die Ränge des Wiener Praterstadions. Drei klare Siege hatte es in den vorangegangenen Heimspielen gegeben, und auch Malmö FF sollte vorentscheidend in die Schranken gewiesen werden. Aber da war doch was? Richtig: Die Abwehrstärke der Schweden, die sich auch im Praterstadion keine Blöße gaben und das torlose Remis über die Zeit brachten. Schachner verzweifelte an vorderster Front, während sich Prohaska im Mittelfeld, durch eine Knöchelverletzung gehandicapt, nicht wie gewohnt entfalten konnte. „Ratlos gegen Schwedenstahl“, formulierte es die Kronenzeitung.

Und endlich hatten die Menschen am Öresund kapiert, was für starke Leistungen das Team in der Europacup-Kampagne vollbracht hatte. Im Schatten des Volkssports Nummer 1, Eishockey, hatten es die Fußballer schon immer etwas schwerer, aber spätestens nach dem 0:0 bei der Austria waren sie nun endlich hellhörig geworden. Und so strömten am 25. April 1979 knapp 26.000 Zuschauer ins Malmö Stadion – fast so viele wie in den drei Runden zuvor zusammen – und bescherten ihrem Klub eine Rekordeinnahme. Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen. Roland und Roy Andersson, der junge Jönsson und Erlandsson hielten den Strafraum sauber und vorne stach erneut Joker Hansson. Unmittelbar nach der Pause köpfte er nach einer Freistoß-Hereingabe das Tor des Abends – und plötzlich stand Malmö mit eineinhalb Beinen im Finale des lukrativsten aller Pokalwettbewerbe. Houghton grinste, denn er wusste, dass seine Jungs dieses Ergebnis halten würden. Und sie taten es. Im sechsten Spiel blieb die MFF-Defensive ohne Gegentreffer und zum zweiten Mal reichte den Malmöer Minimalisten ein Törchen, um ein Duell in Hin- und Rückspiel für sich zu entscheiden.

Der Lehrling von Bobby Robson hatte als Chefcoach das Finale der Königsklasse erreicht. Dasselbe sollte Robson übrigens ein Viertel-Jahrhundert später erneut widerfahren, als sein ehemaliger Assistent bei Sporting Lissabon, José Mourinho, den FC Porto ins Endspiel der Champions League führte – und sogar den Titel gewann.

Die deutschen Journalisten schrieben sich die Finger wund. Schließlich sollte das große Finale im Münchner Olympiastadion steigen, und überall wurde gemutmaßt, was gewesen wäre wenn, ja wenn der 1.FC Köln das 3:3 aus dem Hinspiel in Nottingham besser verwertet hätte. Stattdessen aber verloren die „Geißböcke“ das Rückspiel mit 0:1 und waren in München nur Zuschauer. Aber dieses Malmö, das wäre doch sicher zu packen gewesen. Das hatten allerdings Monaco, Kiew, Krakau und Wien auch schon gedacht!

Nottingham Forest

Das Europapokal-Märchen der Südschweden ging also weiter, und wieder waren die Himmelblauen nur Außenseiter. Nottingham Forest reiste als haushoher Favorit an. Nach einem jahrelangen Dornröschenschlaf war die Truppe von Trainer Brian Clough 1977 in die erste englische Liga aufgestiegen, auf Anhieb Meister geworden – und jetzt das: In Runde eins schaltete Forest den Titelverteidiger Liverpool FC aus und spazierte schließlich ins Finale. Die Buchmacher auf der Insel boten für einen Forest-Sieg die lausige Quote von 15 für 11, wer auf Malmö tippte, hätte im Erfolgsfall für 12 eingezahlte Pfund 39 gewonnen. „Was heißt hier Favorit?“, wollte sich Houghton nicht schon im Vorfeld geschlagen geben. „Auf die Form am Mittwochabend kommt es an, alles andere interessiert uns nicht. Die Chancen stehen 50:50“, erklärte er im Vorfeld.

Clough gab sich noch einen Tick lockerer: Er weilte bis zwei Tage vor dem Finale im Familienurlaub auf Kreta, überließ seinem Co-Trainer Peter Taylor die Arbeit und sorgte sich nicht weiter. Warum auch, schließlich musste Malmö ohne drei Leistungsträger auskommen – Bo Larsson und Roy Andersson waren verletzt, Staffan Tapper ging angeschlagen in die Partie – und Clough selbst konnte sogar auf einen Superstar zurückgreifen, der nach einer Wechselsperre noch kein Europapokalspiel für Forest absolviert hatte: Trevor Francis, für die Rekordsumme von umgerechnet vier Millionen Mark von Birmingham City gekommen. Rund 10.000 schwedische und 20.000 britische Anhänger fieberten am 30. Mai 1979 dem Endspiel entgegen und stimmten sich zum Teil in den zahlreichen Münchner Biergärten auf das Großereignis ein.

malmo-ff-finale

Das Finale war allerdings eine einzige Enttäuschung. Die 58.000 Zuschauer im Olympiastadion sahen eine niveauarme Partie, in der sich Malmö wie nicht anders zu erwarten auf die Defensive beschränkte und die Forest-Angreifer 15 Mal in die Abseitsfalle laufen ließ. Die schnappte allerdings nicht zu, als Gary Birtles nach einem Steilpass allein auf Möller zulief, das Leder aber über das Gehäuse lupfte (8’). Wenig später klärte Erlandsson in höchster Not gegen John McGovern. Die erste Chance Malmös bot sich Kindvall nach Libero Kenny Burns’ verunglückter Kopfballrückgabe, aber der junge Stürmer vergab überhastet. Fehl- und Rückpässe sorgten in der Folge für erste Pfeifkonzerte auf den Rängen, dann besann sich Nottingham wieder auf seine Stärken. McGovern, Ian Bowyer und der junge Tony Woodcock scheiterten am starken Möller, der allerdings in der 45. Minute machtlos war: Unmittelbar vor der Pause setzte sich John Robertson über links durch. Clough wird Jahre später noch über die folgende Szene sagen: „Ich sah den Pass genau kommen. Flanke auf Francis, Tor, reicht mir den Pokal.“ Robertsons punktgenaue Hereingabe hechtete ausgerechnet Francis per Kopf unter die Latte. „Malmoe FF Nottingham F. 0:1“, leuchtete die Anzeigetafel des Olympiastadions zur Pause. Und daran sollte sich nichts mehr ändern.

Nach einer Stunde hätte Birtles auf 2:0 erhöhen müssen, schaufelte aber die Kugel wieder über das Tor, und als Francis zwei Minuten später drei Gegenspieler stehen ließ und sich mit einer Maßflanke bei Robertson revanchieren wollte, scheiterte der am Pfosten. Das war’s. Der erst 19-jährige Robert Prytz, für Larsson ins Team gerückt und erstmals in dieser Europapokal-Saison im Einsatz, saß nach dem Schlusspfiff auf der Bank und begrub sein Gesicht enttäuscht in einem Handtuch. Er würde sich mit einer beachtlichen internationalen Karriere trösten können, denn später war der Mittelfeldspieler erfolgreich im Ausland am Ball. 1986, als Spieler der Young Boys Bern, gewann auch er den Guldbollen, und 1987/88 absolvierte er eine ordentliche Saison bei Bayer Uerdingen. Aber an diesem Mai-Abend war Prytz untröstlich.

„Ich bin sehr enttäuscht, weil man ein Europapokalfinale eigentlich gewinnen will“, sagte Houghton. „Aber Nottingham Forest war technisch besser. Wir hätten einen sehr guten Tag haben müssen, um Nottingham zu schlagen.“ Der schwedische Nationalcoach Georg Ericson brachte den Grund für die Finalniederlage auf den Punkt: „Nach der Pause war Malmö FF mit den Kräften am Ende.“ Als Entschädigung durfte MFF das Duell um den Weltpokal gegen Olimpia Asunción bestreiten, weil Forest auf sein Startrecht verzichtete. Die Schweden verloren 0:1 und 1:2.

An die Saison 1978/79 kamen die Himmelblauen nie mehr heran. Houghton verließ den Klub 1980 in Richtung Griechenland und heuerte anschließend in seiner Heimat bei Bristol City an. Selbst Sven-Göran Eriksson, der wenige Jahre später den IFK Göteborg zum UEFA-Pokal-Triumph führte und später Nationaltrainer Englands wurde, nannte einst Houghton sein Vorbild und gab zu, sich vor allem in taktischen Fragen an ihm orientiert zu haben. Nach weiteren Stationen in der North American Soccer League (Toronto Blizzard) und Saudi Arabien (Al Ittihad) kehrte Houghton 1987 nach Schweden zurück, um erst Örgryte Göteborg und Anfang der 90er schließlich wieder den Malmö FF zu trainieren. Eine Wiederholung des großen Coups von 1979 blieb ihm und seinen Nachfolgern allerdings versagt. Später wird sich die Spur Bob Houghtons im fernen Osten verlieren. Sein Name aber wird immer mit der glorreichsten Epoche des Malmöer Fußballs eng verbunden bleiben.


EUROPAPOKAL DER LANDESMEISTER 1978/79

Malmö FF – AS Monaco 0:0, 1:0
Dynamo Kiew – Malmö FF 0:0, 0:2
Wisła Krakau – Malmö FF 2:1, 1:4
Austria Wien – Malmö FF 0:0, 0:1

Nottingham Forest FC – Malmö FF 1:0 (1:0)
Nottingham: Shilton – Anderson, Lloyd, Burns, Clark, McGovern, Francis, Bowyer, Birtles, Woodcock, Robertson. – Trainer: Clough.
Malmö: Möller – Rol. Andersson, M. Andersson, Jönsson, Erlandsson, Prytz, Tapper (34’ Malmberg), Ljungberg, Kinnvall, Hansson (87’ T. Andersson), Cervin. – Trainer: Houghton.
Tor: 1:0 Francis (45’). SR: Linemayr (Österreich). Zuschauer: 57.500.
München, »Olympiastadion«, 30. Mai 1979

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