Around the world (Part 2)

Dank Google Street View können wir Sportstätten auf der ganzen Welt bereisen, ohne wirklich dort gewesen zu sein. In der mehrteiligen Serie Around the world steuern wir aber nicht etwa nur die weltbekannten Arenen an, die Woche für Woche im Weltmittelpunkt stehen, sondern eher die kleinen, eher unbekannten Stadien und Hallen – in denen dennoch schonmal großer Sport geboten wurde. Im zweiten Teil fliegen wir nach Ex-Jugoslawien, bzw. Kroatien, Serbien und Slowenien.

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Dvorana Jazine | Zadar

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Die Halle („dvorana“) existiert noch, seit 2008 spielt der Basketball-Klub „KK Zadar“ jedoch in einer modernen, 9.000 Zuschauer fassenden Arena. Jazine liegt einen Steinwurf von der Adria entfernt, eingepfercht in unmittelbarer Nähe zur Altstadtmauer und dem kleinen Stadthafen. Bis Mitte der 80er Jahre gewann Zadar sechs jugoslawische Meisterschaften, die letzte 1986 mit Stojko Vranković in einem unglaublich dramatischen Finale gegen Cibona Zagreb mit Dražen Petrović. Erbaut wurde die Halle, in der offiziell gerade mal 3.000 Menschen Platz fanden, 1968 – in nur 70 Tagen. Internationale Top-Klubs gingen in der hitzigen Atmosphäre regelmäßig baden. Seit dem Bürgerkrieg in den 90er Jahren spielt der Klub auf der europäischen Bühne keine Rolle mehr, Jazine hat ausgedient.
Adresse: Ravnice, 23000, Zadar, Kroatien
Aufnahmedatum: August 2011


Dvorana Zorka | Šabac

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In den 80er Jahren dominierte der RK „Metaloplastika“ Šabac den jugoslawischen Handball nach Belieben. Sieben Mal in Folge gewann der Klub von 1982 bis 1988 den nationalen Titel und setzte sich in der Zeit zwei Mal (1985, 1986) die europäische Krone auf. In der unweit des Flusses Save gelegenen Zorka-Halle begründeten Spieler wie Zlatko Portner, Veselin Vujović (beide landeten später beim FC Barcelona), Mile Isaković oder Jovica Cvetković den Ruf einer „Jahrhundertmannschaft“ und stellten das Gerüst der jugoslawischen Weltmeister-Sieben von 1986. Die gegenüber einem Friedhof gelegene „Sportska dvorana“ fasste gerade mal 3.000 Zuschauer und platzte entsprechend oft aus ihren Nähten. Die ganz großen Zeiten endeten bereits vor dem Bürgerkrieg, 2016 gewann der Klub immerhin den serbischen Pokal.
Adresse: Hajduk Veljkova, Šabac, Serbien
Aufnahmedatum: August 2014


Stadion Crvena zvezda | Belgrad

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Das Stadion „Roter Stern“, das seit 2014 nach dem ehemaligen jugoslawischen Nationaltrainer Rajko Mitić benannt ist, wird im Volksmund seit jeher „Marakana“ genannt. Natürlich in Anlehnung an das „Maracanã“ in Rio de Janeiro, das lange Zeit als größte Arena der Welt galt. Nach seiner Errichtung 1960 zählte das inmitten der serbischen Hauptstadt gelegene Stadion mit einem Fassungsvermögen von 110.000 Zuschauern ebenfalls zu den größten weltweit, mittlerweile ist die Kapazität auf 60.000 geschrumpft. Der „Rote Stern“ ist seit dem Bürgerkrieg ohnehin verblasst, darüber können auch die jüngsten Champions-League-Qualifikationen nicht hinwegtäuschen. Der jugoslawische und serbische Rekordmeister ist nicht mit dem Klub der 70er und 80er Jahre zu vergleichen, als hier reihenweise europäische Spitzenteams an die Wand gespielt wurden. 1979 scheiterte Roter Stern im UEFA-Pokal-Finale nur mit Pech an Borussia Mönchengladbach, zwölf Jahre später bestieg er den europäischen Thron, als er mit Spielern wie Robert Prosinečki, Dejan Savićević, Siniša Mihajlović oder Darko Pančev den Cup der Landesmeister gewann. Unvergessen das Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern, das Klaus Augenthaler mit einem Eigentor in der 90. Minute entschied – auf den Rängen feierten 90.000 Menschen. Der berühmteste Schuss, den dieses Stadion je sah, verfehlte allerdings das Tor – und zwar deutlich: Im EM-Finale 1976 schoss hier Uli Hoeneß den Ball in den „Belgrader Nachthimmel“.
Adresse: Rajka Mitića, Beograd, Serbien
Aufnahmedatum: Juni 2015


Dvorana Baldekin | Šibenik

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Die Baldekin-Halle ist so etwas wie die Geburtsstätte des bis heute besten Basketballers europäischer Herkunft: Dražen Petrović, Sohn der Stadt, führte als Teenager den kleinen Klub von der Adria-Küste an die Spitze der jugoslawischen Liga und zwei Mal in das Korać-Cup-Finale. Titel blieben „Šibenka“ zwar auf dramatische Weise versagt, doch dank des 1993 bei einem Autounfall in Deutschland verunglückten Petrović genießt der 2010 aufgelöste Verein noch immer Kultstatus. Mit 15 debütierte Petrović an der Seite seines älteren Bruders Aleksandar in der ersten Mannschaft, nach deren Aufstieg in die erste jugoslawische Liga etablierte sich die Anfang der 70er Jahre erbaute Halle schnell als Festung. Das ursprüngliche Fassungsvermögen lag bei 900, für die Meisterschaftsspiele wurde es auf knapp 2.000 erweitert. Den Höhepunkt erlebte die 300 Meter Luftlinie vom Meer entfernte „Dvorana Baldekin“ in der Spielzeit 1982/83, als das Team in Blau und Orange die reguläre Saison als Meister beendete und im entscheidenden dritten Playoff-Finale auf Bosna Sarajevo traf. 4.000 Menschen wurden regelrecht in die Halle gepfercht und standen dicht an dicht hinter den Körben und Spielerbänken. Sie wurden Zeugen einer denkwürdigen Partie: Zwei Sekunden vor dem Ende wurde der 18-jährige Petrović beim Stand von 81:82 gefoult, Bosnas Coach Svetislav Pešić, später lange Jahre in Deutschland tätig, schäumte vor Wut, konnte die Schiedsrichter aber nicht mehr umstimmen. Die minutenlangen Diskussionen brachten den jungen Petrović nicht aus der Ruhe, er verwandelte beide Freiwürfe und ganz Šibenik feierte unter chaotischen Umständen den ersten nationalen Titel. Der Jubel ebbte am nächsten Tag ab. Der jugoslawische Verband wollte Unregelmäßigkeiten bei den Schiedsrichter-Entscheidungen festgestellt haben, annullierte die Begegnung und setzte sie auf neutralem Boden in Novi Sad neu an. Šibenik weigerte sich anzutreten und der Titel wurde kurzerhand Bosna zugesprochen. Zwei Jahre später wechselte Petrović zu Cibona Zagreb – und mit ihm verließ auch der große Basketballsport die „Dvorana Baldekin“. Für immer.
Adresse: Ul. Vatroslava Lisinskog, 22000, Šibenik, Kroatien
Aufnahmedatum: September 2011


Stadion Bežigrad | Ljubljana

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Heute ist das Stadion Bežigrad ein Biotop. Es wurde nach der Eröffnung des neuen, zehn Autominuten nördlich gelegenen Nationalstadions Stožice einfach sich selbst überlassen. Zugegeben: Der ganz große Fußball wurde in der 1925 errichteten und nach dem Stadtteil, in dem sie sich befindet, benannten Arena nie geboten. Der Fußballklub NK Olimpija Ljubljana spielte ein paar Jahre in der ersten jugoslawischen Liga, dabei aber eine nur untergeordnete Rolle. Höhepunkt war das Pokalfinale gegen Roter Stern Belgrad 1970, das in der Verlängerung des Wiederholungsspiels verloren wurde und in dem für Ljubljana (Laibach) die späteren Bundesliga-Profis Danilo Popivoda (Eintracht Braunschweig) und Branko Oblak (FC Schalke 04, FC Bayern München) aufliefen. Im darauffolgenden Jahr sahen 12.000 Zuschauer das Erstrundenspiel im Europapokal der Pokalsieger gegen Benfica Lissabon, das 1:1 endete. Im Rückspiel kam Olimpia, nunja, 1:8 unter die Räder. Richtige internationale Beachtung fand das in die Jahre gekommene Stadion erst nach dem Ende des Bürgerkriegs, als die slowenische Fußball-Nationalmannschaft hier ihre Spiele austrug. In der WM-Qualifikation 2002 blieb sie im Bežigrad ungeschlagen und löste dank später Tore gegen Rest-Jugoslawien und Russland das Ticket für Japan/Südkorea. Im September 2003 bewahrte Michael Owen in der zweiten UEFA-Pokal-Runde den Liverpool FC mit seinem 1:1 vor einer peinlichen Pleite. Konzipiert wurde das Stadion vom Laibacher Architekten Jože Plečnik, der ein Faible für Säulenkonstruktionen hatte, wie sie in vielen seiner Bauten (z.B. der Aussichtsplattform auf der Prager Burg, dem Brunnen im Schloss Lány in Prag, dem Laibacher Zentralfriedhof) und eben im Bežigrad zu sehen sind. Die eigenwillige Tribüne – die einzige im weiten Rund – befand sich nicht etwa auf der Längsseite des Stadions, sondern hinter dem Tor. Nur sie bot den VIPs Schutz vor Regen. Unter ihr Dach verirrt sich seit 2008 niemand mehr, sie vegetiert wie der Rest des Stadions vor sich hin.
Adresse: Vodovodna cesta, 1000 Ljubljana, Slowenien
Aufnahmedatum: August 2013

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