Traumtanz: Fortuna Düsseldorf 1978/79

fd95-1979-logoMit hängenden Köpfen standen sie da. Geschlagen. Wieder einmal. Während Kapitän Juan Manuel Asensi stolz den Pokal nach oben stemmte und über 30.000 mitgereiste Fans des FC Barcelona in grenzenlosen Jubel ausbrachen, herrschte bei Spielern und Anhängern von Fortuna Düsseldorf tiefe Niedergeschlagenheit. Erneut hatte es nicht gereicht, erneut hatten sie ein Finale verloren. 3:4 nach Verlängerung hieß es am Ende im Kampf um den Cup der Pokalsieger in Basel. Knapp, sehr knapp hatte die Mannschaft um Gerd Zewe die Sensation verpasst und nicht nur der Fortuna-Kapitän schien schon am 16. Mai 1979 zu ahnen, dass eine einmalige Chance vergeben worden war: „Wer weiß, wann wir noch einmal in ein Europapokal-Endspiel einziehen können.“

Elf der 13 eingesetzten Fortuna-Spieler, die an jenem Abend geschlagen das Feld verließen, waren fast auf den Tag genau 13 Monate zuvor beim DFB-Pokal-Finale im Einsatz gewesen. 0:2 hieß es damals gegen den 1.FC Köln, doch da die „Geißböcke“ in der fd95-allofsSaison 1977/78 das Double holten, waren die Rheinländer für den Europapokal der Pokalsieger qualifiziert. Das hinderte den Trainer Dietrich Weise allerdings nicht daran, den Klub zu verlassen. Für ihn übernahm mit Hans-Dieter Tippenhauer ein Bundesliga-Novize das Ruder. Der 34-Jährige fand eine intakte Mannschaft vor, die in der Abwehr vom torgefährlichen Gerd Zimmermann zusammengehalten wurde, während im Angriff neben Wolfgang Seel das Bruderpaar Klaus und Thomas Allofs für ständige Gefahr sorgte. Der 18-jährige Thomas war gerade erst in den Seniorenbereich aufgestiegen. Im 21-Mann-Kader der Fortuna war der Däne Fleming Lund der einzige Ausländer.

Universitatea Craiova

Der Start in die Runde verlief vielversprechend. Nach drei Spieltagen rangierte Düsseldorf in der Bundesliga auf Platz zwei, und so langsam konnte sich Coach Tippenhauer Gedanken über die erste internationale Aufgabe machen. Die hieß Universitatea Craiova und war frischgebackener rumänischer Pokalsieger. Über Paris jettete Tippenhauer nach Bukarest, um von dort die beschwerliche Autofahrt über 250 Kilometer nach Craiova in Angriff zu nehmen. Die konnte er sich allerdings sparen, denn noch in der Hauptstadt erfuhr er, dass Universitatea bereits am Abend zuvor gegen ASA Tîrgu Mureş gespielt und 2:0 gewonnen hatte. „Eine Unverschämtheit“, ereiferte sich der Fortuna-Coach. „Trainer Ilie Oană hat uns noch am Telefon versichert, dass das Spiel erst am Sonntag stattfinden würde.“

craiova-fd95Zunächst mussten die Düsseldorfer in der Walachei antreten, wo ihnen 40.000 leidenschaftliche Fans avisiert worden waren. Auf Grund des strömenden Regens waren es allerdings gerade mal 15.000, die im Stadion Central ihr Team bereits auf der Gewinnerstraße wähnten, als nach 13 Minuten Zimmermanns Rückgabe aus 35 Metern in einer Wasserlache stecken blieb, Torjäger Rodion Cămătaru sich die Kugel schnappte und Fortuna-Keeper Wilfried Woyke zum 1:0 überwand. Die Düsseldorfer zeigten sich in dieser ruppigen Partie allerdings völlig unbeeindruckt und Zimmermann machte seinen Fehler mit einem Freistoß-Tor aus 30 Metern wieder wett (24’). Es kam noch besser: Reinhold Fanz netzte in der 36. Minute zum 2:1 ein und brachte Craiovas Anhang zunächst zum Schweigen. Als Klaus Allofs nach dem Wechsel sogar auf 3:1 erhöhte (50’), schien die Partie gelaufen, doch erneut Cămătaru (58’) und Zoltan Crişan (81’) gelang in einer dramatischen Begegnung noch der 3:3-Ausgleich. Zwischenzeitlich hatte Woyke sogar einen Strafstoß von Dumitru Marcu pariert (78’). Nun wollten die Rumänen auch den Sieg. Doch der Schuss ging nach hinten los: In der 87. Minute markierte Fanz seinen zweiten Treffer und besorgte den 4:3-Endstand. Klaus Allofs zog sich nach einem rüden Foul von Universitateas Libero Costică Ştefănescu eine Schienbeinprellung zu, die zunächst Schlimmes befürchten ließ. Doch nur drei Tage später war der Nationalstürmer wieder fit und steuerte zwei Tore zum 6:1-Erfolg beim SV Darmstadt 98 bei.

Das Rückspiel sollte nur noch Formsache sein. Gerade mal 8.000 Zuschauer verloren sich im weiten Rund des Rheinstadions und sahen eine schwache Partie, für die die Fortuna auch vereinzelt Pfiffe erntete. „Zu viel Taktik“, kritisierte Bundestrainer Jupp Derwall als interessierter Beobachter auf der Tribüne. Rudi Bommer, der in der fünften Minute bereits den Pfosten getroffen hatte, erzielte in der ersten Halbzeit das vorentscheidende 1:0 (38’), dem Craiova nach dem Wechsel lediglich das 1:1 durch Linksaußen Marcu entgegenzusetzen hatte (68’). Dieter Brei hatte in der Schlussphase den Siegtreffer für die Fortuna auf dem Fuß, scheiterte aber mit einem Foulelfmeter an Craiovas Schlussmann Silviu Lung. Das 1:1 riss zwar niemand von den Sitzen, reichte aber locker zum Weiterkommen.

Aberdeen FC

fd95-aberdeenAls nächster Gegner stand der Aberdeen FC auf der Agenda. „Kein dicker Fisch“, mag Tippenhauer gedacht haben, waren die Schotten doch noch nie über die zweite Runde eines europäischen Wettbewerbs hinausgekommen. Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnte: Trainer Alex Ferguson, der sein Amt gerade angetreten hatte, war im Begriff, ein internationales Spitzenteam zu formen, das viereinhalb Jahre später diesen Wettbewerb gewinnen sollte. In dieser Saison reichte es aber noch nicht. Hätte das Düsseldorfer Publikum an jenem Abend des 18. Oktober 1978 geahnt, welches Potenzial im Team der Schotten schlummerte, hätte es das eigene Team wahrscheinlich nicht ausgepfiffen. Ohnehin unverständlich, legten die Fortunen doch ein sattes 3:0 vor. Zwei Mal Emanuel Günther (14’, 58’) und einmal Zimmermann (81’) hatten vor 10.500 Zuschauern dieses beruhigende Polster herausgeschossen. Günther hätte die Partie nach weiteren Großchancen (35’, 40’, 53’) im Alleingang entscheiden können. Glück hatten die Platzherren, als Heiner Baltes (42’) und Zewe (47’) bei Gegenstößen der Schotten jeweils auf der Linie klärten.

Im Schongang hofften die Düsseldorfer 14 Tage später das Viertelfinale zu erreichen und sahen sich bestätigt, als es zur Halbzeit vor 16.500 Zuschauern im Pittodrie Stadium 0:0 stand. Doch nach einem Doppelschlag im zweiten Abschnitt begann plötzlich das große Zittern. Chic McLelland (54’) und Drew Jarvie (57’) hatten die Dons mit 2:0 in Führung geschossen und drängten nun auf das 3:0. Doch die Fortuna machte ihrem Namen alle Ehre und rettete den knappen Gesamtvorsprung mit Glück und glänzenden Paraden Woykes über die Zeit.

Servette Genf

Im Bundesliga-Titelrennen schon etwas abgeschlagen, hatten die Düsseldorfer mit dem Europa- sowie dem DFB-Pokal noch zwei Eisen im Feuer. Die Winterpause tat der Tippenhauer-Truppe aber offensichtlich nicht gut. Mit einem müden 1:1 gegen Bochum gestartet, setzte es nach weiterer vierwöchiger Unterbrechung eine 0:5-Klatsche beim VfB Stuttgart. Da kam der Schweizer Pokalsieger Servette Genf mit seinen neun Nationalspielern gerade recht, um das angekratzte Selbstvertrauen wieder ein bisschen aufzupolieren. Über die Stationen PAOK Saloniki und AS Nancy hatte das Team um Torjäger Angelo Elia das Viertelfinale erreicht. An diesem nasskalten März-Abend wollten allerdings gerade mal 9.000 Menschen die Partie im Rheinstadion sehen – und sie sollten ihr Kommen bereuen. Außer dem sichtlichen Bemühen, das Stuttgarter Debakel wieder gut zu machen, hatte die Fortuna ihrem Anhang nichts zu bieten. Und obwohl sie zumindest optisch die klar überlegene Mannschaft war, hallte es von den spärlich besetzten Rängen Zwischenrufe wie „Aufhören“ oder „Licht aus“. Servette igelte sich in der eigenen Hälfte ein und ließ die ideenlosen Düsseldorfer anrennen. Hubert Schmitz (13’) und Bommer (68’) vergaben freistehend, ehe Zimmermann in der 83. Minute einen von Servette-Schlussmann Karl Engel an Fanz verschuldeten Foulelfmeter in den Nachthimmel drosch. Die Schweizer tauchten nicht einmal vor dem Fortuna-Tor, in dem Jörg Daniel nach der Winterpause Woyke ersetzte, auf. Es blieb beim enttäuschenden 0:0. „Das Resultat lässt uns alle Chancen“, jubelte Genfs ungarischer Coach Péter Pázmándy. „Für Servette liegt die erstmalige Qualifikation für das Halbfinale greifbar nahe.“

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Im Stade des Charmilles musste die Fortuna also unbedingt treffen, um erstmals ein europäisches Halbfinale zu erreichen. Nach nur vier Minuten war die Mission erfüllt: Bommer köpfte nach einem Eckball Klaus Allofs’ zum 1:0 ein und stieß die Tür zur Runde der letzten Vier weit auf. Doch der Zug war noch lange nicht durch: Nach 29 Minuten musste Klaus Allofs mit einer Oberschenkelzerrung vom Platz, und mit zunehmender Spieldauer erhöhten die Genfer den Druck. Aber das Düsseldorfer Abwehrbollwerk hielt dicht – bis Claude Andrey während der Schlussoffensive mit einem 16-Meter-Schuss der Ausgleich gelang (81’). Wieder musste Trainer Tippenhauer lange Minuten zittern, ehe er die Faust in die Luft strecken durfte. 1:1 – ohne Sieg und auf Grund der Auswärtstorregel erreichte Fortuna Düsseldorf das Halbfinale.

Im Lostopf befanden sich neben den Düsseldorfern mit dem FC Barcelona noch ein richtiger Kracher und mit den Belgiern vom KSK Beveren sowie dem tschechoslowakischen Klub Baník Ostrau noch zwei Außenseiter. Beide Teams waren jedoch nicht zu unterschätzen: Ostrau hatte immerhin den DDR-Vertreter 1.FC Magdeburg in die Schranken gewiesen und die Elf aus Beveren mit dem jungen Jean-Marie Pfaff im Tor war noch immer ohne Gegentreffer. Im Viertelfinale hatten die Belgier, die auf dem Weg zu ihrer ersten nationalen Meisterschaft waren, für eine Sensation gesorgt und Inter Mailand ausgeschaltet (0:0, 1:0). Daher war Tippenhauer nicht gerade unglücklich darüber, dass das Los letztlich auf Baník Ostrau fiel.

Baník Ostrau

Die Resonanz beim Hinspiel am 11. April 1979 war – wieder einmal – enttäuschend. Gerade mal 18.000 Zuschauer sahen, wie der tschechoslowakische Vizemeister die erste Halbzeit dominierte und folgerichtig durch Petr Němec, der nach elf Minuten eine Vorarbeit von Werner Lička verwertete, die Führung erzielte. Mit dem 0:1 ging es in die Pause, nicht zum ersten Mal mussten sich die bis dahin ideenlosen Fortunen dabei ein Pfeifkonzert gefallen lassen. Doch nach dem Wechsel schlug die große Stunde der Allofs-Brüder. Mit zwei Flachschüssen ins rechte Eck drehte Nationalspieler Klaus den Spieß um (54’, 65’), ehe Thomas in der Schlussminute das in der Endabrechnung alles entscheidende 3:1 markierte. „33.000 Zuschauer werden in unserem Stadion wie eine Wand hinter meiner Mannschaft stehen“, gab sich Baník-Coach Evžen Hadamczik nach der Niederlage kämpferisch.

Unter strömendem Regen – und mit dem im Hinspiel gesperrten Zimmermann – liefen die Fortunen im Na Bazaly ein. Und obwohl sie wie schon in Craiova und Genf stark in die Defensive gedrängt wurden, gelang ihnen dennoch zum dritten Mal die Führung. Kapitän Zewe zirkelte in der 31. Minute einen 25-Meter-Schuss in die Maschen. Die Böhmen antworteten mit wütenden Attacken. Baltes (36’) und Bommer (41’) mussten verletzt vom Platz, aber immerhin retteten die Düsseldorfer den knappen Vorsprung in die Pause. Obwohl weiterhin stark unter Druck, zeigte die Fortuna auch in den zweiten 45 Minuten ihre stärkste Saisonleistung. Keeper Daniel mit einigen sensationellen Reflexen, Libero Zewe und Vorstopper Zimmermann wuchsen über sich hinaus. Als Lička in der 65. Minute allerdings der Ausgleich gelang, wurde es im ausverkauften Hexenkessel richtig spannend. Erst recht, als Augustín Antalík 60 Sekunden vor Schluss sogar noch das 2:1 erzielte. Zu spät. Abgekämpft fielen sich die Fortunen in ihren dreckverschmierten Trikots in die Arme. „Das Führungstor von Gerd Zewe war Gold wert”, jubelte Tippenhauer. „Es war eine große kämpferische Leistung.“

FC Barcelona

Das Finale im Basler St.-Jakob-Stadion war erreicht. Als Gegner wartete der FC Barcelona, der mit den Belgiern aus Beveren seine liebe Mühe hatte und nur dank zweier Strafstöße jeweils mit 1:0 gewann. Zehn Jahre zuvor hatten die Katalanen – im selben Wettbewerb und an selber Stelle – zum letzten Mal in einem Europapokal-Finale gestanden, unterlagen Slovan Bratislava allerdings mit 2:3. Für die selbstbewusste Fortuna war es hingegen die stolze Premiere. „Hans Krankl schießt gegen mich kein Tor, das dürfte die halbe Miete für uns sein“, tönte Zimmermann vor der Partie. Dabei stand der Einsatz des österreichischen Stürmerstars lange auf der Kippe, war er doch zehn Tage vor dem Finale in einen schweren Autounfall verwickelt, bei dem er sich zwar nur einige Prellungen holte, seine Frau Inge jedoch lebensgefährlich verletzt wurde und viel Blut verlor. Eine beispiellose Blutspendenaktion in der katalanischen Metropole und die erfolgreiche OP gaben allerdings Grünes Licht für Krankls Einsatz. Pech hatte hingegen der Düsseldorfer Fanz, dem eine drei Wochen zuvor erlittene Oberschenkelzerrung einen Strich durch die Rechnung machte. „Ich könnte die ganze Welt vergiften“, ärgerte sich der Abwehrspieler, der mit seinen beiden Treffern im Erstrunden-Match in Craiova den Grundstein für die erfolgreiche Europacup-Saison gelegt hatte. Bis am Final-Vortag hatte er auf seinen Einsatz gehofft, dann kam das „Nein“ der medizinischen Abteilung.

Schon bei ihrer Ankunft im Quartier Bad Säckingen an der Schweizer Grenze wurde der Fortuna bewusst, dass sie zumindest in Sachen Fan-Beistand hoffnungslos unterlegen war. Rund 30.000 Katalanen machten aus Basel „Baselona“, während aus dem Rheinland gerade mal 10.000 Fans gekommen waren. „Jungens, wir sind bei Euch!“, signalisierte ein Transparent Unterstützung. Nach nur fünf Minuten klingelte es allerdings schon in Daniels Kasten. Carlos Rexach, schon zehn Jahre zuvor gegen Bratislava im Aufgebot der Blaugrana, schickte José Sánchez auf die Reise, und der hatte keine Mühe, zum 1:0 einzuschieben. Wer nun aber dachte, die Düsseldorfer würden sich ihrem Außenseiter-Schicksal fügen und untergehen, sah sich getäuscht. Sie schwangen sich zu einer großartigen kämpferischen Leistung auf und schrieben eines der strahlendsten Kapitel deutscher Europapokal-Geschichte. Nur drei Minuten später stand es 1:1. Der Torschütze ließ sich nie eindeutig bestimmen. Es war eine Gemeinschaftsproduktion der Allofs-Brüder, die zusammen aus kurzer Distanz das Leder an Barça-Keeper Pedro Artola vorbeispitzelten. „Wir haben beide den Ball berührt“, berichteten sie später. Auf jeden Fall war es ein Allofs. In den Statistiken wurde schließlich der junge Thomas festgehalten. Es ging Schlag auf Schlag. Weitere vier Minuten später stürzte der spanische Außenstürmer Francisco Carrasco nach einer Grätsche Zewes zu Boden. Eckball, dachten die Düsseldorfer. Elfmeter, entschied der ungarische Unparteiische Károly Pálotai. Fortuna-Keeper Daniel schilderte später die folgenden Sekunden so: „Rexach verzögert seinen Anlauf. Offensichtlich wollte er erst eine Reaktion von mir abwarten, ehe er eine Ecke wählte. Ich bin jedoch einfach stehen geblieben.“ Daniel parierte den Strafstoß.

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Weiterhin 1:1 also. Düsseldorf kämpfte, Barcelona spielte – wenn auch manchmal jenseits des Erlaubten. Nach zu zögerlichem Eingreifen Zewes drückte Carrasco aus linker Position ab, Daniel konnte nur abklatschen und Kapitän Asensi traf aus wenigen Metern zum 2:1 (35’). Wieder aber meldeten sich die Deutschen umgehend zurück. Nach einer hohen Hereingabe Zimmermanns waren sich Artola und Rechtsverteidiger Rafael Zuviría uneins. Seel erkannte die Situation und traf aus unmöglichem Winkel zum 2:2. „Ein so mitreißendes Spiel habe ich seit Jahren nicht gesehen“, sagte Düsseldorfs Alt-Internationaler Paul Janes zur Halbzeit. In den zweiten 45 Minuten verflachte die Partie etwas. Zwar nahm Barça nun das Tempo raus, doch den unerfahrenen Düsseldorfern gelang es nicht, die Kontrolle zu übernehmen. Erschwerend hinzu kam, dass sie mit Brei – der mit den Stollen im Rasen hängen geblieben war und sich eine Bänderdehnung im Knie zugezogen hatte – eine Stütze im Mittelfeld verloren. Dasselbe Schicksal ereilte den schussgewaltigen Zimmermann kurz vor Ende der regulären Spielzeit. Mit Tränen in den Augen verließ er nach 84 Minuten den Rasen. Er hatte sein Versprechen eingelöst: Krankl hatte kein Tor gegen ihn erzielt…

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In der Verlängerung schließlich setzte die Fortuna nochmal alles auf eine Karte. Klaus Allofs’ Freistoß strich nur knapp am Tor vorbei, der für Zimmermann gekommene Lund vergab eine gute Möglichkeit unkonzentriert. Es folgte die 103. Minute: Der unglückliche Zewe fälschte einen Schuss von Rexach ab – Tor. 3:2 für die Katalanen. Düsseldorf mobilisierte nun die letzten Kräfte und öffnete die Abwehr. Carrasco schnappte sich die Kugel und spielte sie auf den bis dahin blassen Krankl … 4:2 (111’). Seels neuerlicher Anschlusstreffer sechs Minuten vor dem Abpfiff ging schon fast in den katalanischen Jubelstürmen unter. Die siebte Niederlage in einem Endspiel – bisher hatte Düsseldorf fünf Pokalfinals und eines um die Deutsche Meisterschaft verloren – war perfekt. „Die Fortuna ist eine der großen Mannschaften der Welt“, schrieb die spanische Sporttageszeitung As am Folgetag. Ein schwacher Trost. „Barcelona war nicht die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft“, klagte Tippenhauer.

Im Bundesliga-Schlussspurt rutschte die Fortuna auf Platz sieben ab und verpasste die Qualifikation für den UEFA-Cup. Aber da war ja noch der DFB-Pokal. Zehn Tage nach Basel gewannen die Düsseldorfer ihr Viertelfinal-Spiel gegen Bayer Leverkusen 2:1 und fertigten anschließend auch den 1.FC Nürnberg 4:1 nach Verlängerung ab. Im Endspiel traf die Tippenhauer-Truppe in Hannover auf Hertha BSC – und diesmal sollte es endlich klappen! Wolfgang Seel netzte in der 116. Minute zum 1:0-Endstand ein und eröffnete der Fortuna in der folgenden Saison eine zweite Chance im Cup der Pokalsieger.


EUROPAPOKAL DER POKALSIEGER 1978/79

Universitatea Craiova – Fortuna Düsseldorf 3:4, 1:1
Fortuna Düsseldorf – Aberdeen FC 3:0, 0:2
Fortuna Düsseldorf – Servette Genf 0:0, 1:1
Fortuna Düsseldorf – Baník Ostrau 3:1, 1:2

FC Barcelona – Fortuna Düsseldorf 4:3 (2:2, 2:2) n.V.
Barcelona: Artola – Zuviría, Migueli, Costas (66’ Martínez), Albaladejo (57’ de la Cruz), Neeskens, Rexach, Sánchez, Krankl, Asensi, Carrasco. – Trainer: Rifé.
Düsseldorf: Daniel – Brei (24’ Weikl), Zewe, Zimmermann (84’ Lund), Baltes, Köhnen, Schmitz, T. Allofs, Bommer, K. Allofs, Seel. – Trainer: Tippenhauer.
Tore: 1:0 Sánchez (5’), 1:1 T. Allofs (8’), 2:1 Asensi (34’), 2:2 Seel (41’), 3:2 Rexach (103’), 4:2 Krankl (111’), 4:3 Seel (114’). – SR: Pálotai (Ungarn). – Zuschauer: 58.000. – Karten: Gelb für Albaladejo, Neeskens / Zimmermann. Bes. Vorkommnisse: Daniel hält Strafstoß von Rexach (12’).
Basel, »St.-Jakob-Stadion«, 16. Mai 1979

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