Traumtanz: Hajduk Split 1983/84

hajduk-split-altDer Stolz spielt im Fußball immer eine besondere Rolle. Besonders in einer Umgebung, in der jahrelange Unterdrückung herrscht und der Sport als Symbol des Widerstands und der Auflehnung dient, sich Emotionen sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen öffentlich entladen. Ein Paradebeispiel hierfür ist Kroatien. Schon lange bevor der jugoslawische Staatspräsident Josip Broz alias Tito 1980 in Ljubljana starb und der schleichende Zerfall des Landes begann, strebten die Kroaten – im Westen Europas weitgehend unbemerkt – nach Unabhängigkeit. Dieses Streben wurde nach Titos Tod immer stärker und manifestierte sich nicht zuletzt in den Fußball-Klubs aus den kroatischen Metropolen Zagreb und Split. Jeder noch so geringe Erfolg dieser Vereine wurde in der jugoslawischen Teilrepublik auch als ein Sieg gegen Belgrad und Serbien gefeiert.

Aufständisch war der NK Hajduk aus Split schon immer. Allein der Vereinsname ist Programm: Als Hajduks, oder Heiducken, wurden jene Söldner bezeichnet, die sich während der Türkenkriege in den Bergen Kroatiens versteckt hielten, gegen die Osmanen kämpften und in Robin-Hood-Manier das Geld von den Reichen holten, um es unter den Armen zu verteilen. In dieser kämpferischen Tradition war in Split in den 70er Jahren eine Mannschaft entstanden, die die zlatna generacija, die goldene Generation, des Klubs begründete.

Vier Meistertitel gingen in die dalmatinische Hafenstadt, 1979/80 erreichte Hajduk sogar das Viertelfinale im Europapokal der Landesmeister, musste sich aber dem Hamburger SV knapp geschlagen geben (0:1, 3:2). Vier Jahre später, die goldene Generation neigte sich ebenso wie die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien ihrem Ende entgegen, erlebte der Klub im UEFA-Cup einen letzten Höhenflug. Und was sie in Split besonders genossen: Auf dem Siegeszug über die europäischen Fußballfelder blieb im inner-jugoslawischen Duell mit Radnički Niš auch ein serbisches Team auf der Strecke.

nadoveza-peroPetar Nadoveza war schon als Spieler ein ganz Großer bei Hajduk, 1965/66 wurde er mit 21 Treffern Torschützenkönig der jugoslawischen Liga. Nun war der Goalgetter a.D. auf dem besten Weg, sich auch als Trainer einen guten Ruf zu machen. Als Vizemeister der Saison 1982/83 – zwei Punkte fehlten am Ende auf die Hauptstädter von Partizan Belgrad – hatte sich Hajduk gemeinsam mit Radnički Niš und Roter Stern Belgrad für den UEFA-Cup qualifiziert. Nadovezas Team brauchte sich wahrlich vor niemandem zu verstecken, in den Jahren zuvor waren namhafte Klubs wie der VfB Stuttgart, Valencia oder Girondins Bordeaux unverrichteter Dinge wieder aus Split abgereist. Prunkstück der Nadoveza-Truppe war das Trio, das der geniale bosnische Spielmacher Blaž Slišković und das offensive Zwillingspaar Zlatko und Zoran Vujović bildeten.

vujovic-bracaSchon im zarten Alter von 19 Jahren hatten die Vujović-Brüder 1979 mit Hajduk den Meistertitel gefeiert und waren zu Nationalspielern gereift. Was war das für ein Erfolg im selben Jahr bei den Mittelmeer-Spielen, die ausgerechnet in Split ausgetragen wurden! Im eigens dafür errichteten Stadion Poljud, das den legendären Stari plac („Alter Platz“) ersetzte, hatte Jugoslawien nach Siegen über Ägypten, Griechenland, Marokko und Algerien im Endspiel eine Amateur-Auswahl Frankreichs glatt mit 3:0 vom Platz gefegt. Im Team: Zoran und Zlatko Vujović, der sich auch noch als zweifacher Torschütze auszeichnete. 50.000 Zuschauer im Poljud feierten die Plavi, die „Blauen“, und ganz besonders natürlich ihre eigenen Schützlinge. Neben den Vujovićs waren das Boro Primorac, Vedran Rožić und Mišo Krstičević, in den Jahren darauf stießen noch Nikica Cukrov und Blaž Slišković, der Ball-Virtuose aus Mostar, zum Team.

Mittlerweile hatte sich Hajduk – ebenso wie seine legendäre Fangemeinde Torcida – im Poljud prächtig eingelebt. Zwar hatten Primorac und Krstičević den Klub mittlerweile verlassen, die Zuversicht auf eine erfolgreiche europäische Spielzeit war dennoch riesengroß. Das Erstrunden-Los bescherte den Jugoslawen allerdings einen dicken Brocken: Universitatea Craiova war fünf Monate zuvor nur haarscharf auf Grund der Auswärtstorregel am Einzug ins UEFA-Cup-Finale vorbeigeschrammt. Die Rumänen waren mit Spielern wie dem Keeper Silviu Lung, dem Abwehrrecken Nicolae Negrilă oder den Stürmern Ion Geolgău und Rodion Cămătaru hervorragend bespickt. Nach dem 1:1 im heimischen Stadion Central kamen sie im Rückspiel bei Benfica Lissabon allerdings nicht über ein 0:0 hinaus.

Universitatea Craiova

Nun wollte es Universitatea noch einmal wissen. Und da kam Hajduk Split dem Studentensportklub gerade recht. Doch die Jugoslawen verkauften sich sehr teuer und hielten zum Ärgernis der erfolgsverwöhnten Anhänger lange Zeit ein 0:0. Erst vier Minuten vor dem Ende erlöste Geolgău die leidenden Fans Craiovas mit dem 1:0-Siegtreffer. Aber schnell machte sich Skepsis breit, ob dieser knappe Vorsprung gegen das technisch beschlagene Team von der dalmatinischen Küste reichen würde.

Immerhin eine Stunde lang verteidigte Universitatea im Rückspiel seine Führung, doch dann markierte Zoran Vujović nach 63 Minuten das 1:0 für Hajduk. Es kam zur Verlängerung, die allerdings torlos blieb, und so musste schließlich das ungeliebte Elfmeterschießen herhalten. Mircea Irimescu verwandelte den ersten Strafstoß für die Rumänen, doch Zoran Vulić hatte die passende Antwort parat. Als nächstes trat Aurică Beldeanu für Craiova an … und der Mittelfeldspieler verschoss! Den Rumänen flatterten nun die Nerven. Aurel Ticleanu und Nicolae Ungureanu scheiterten ebenfalls vom Punkt, so dass Nenad Šalov für die Entscheidung sorgen konnte. Er traf. Somit hieß es 4:1 nach Elfmeterschießen für Hajduk, das – ebenso wie der nationale Liga-Rivale Radnički Niš – die nächste Runde erreicht hatte. Der Rote Stern hingegen war gegen Hellas Verona auf der Strecke geblieben.

Honvéd Budapest

Der nächste Gegner hieß Honvéd Budapest. Die Ungarn hatten sich in der Runde zuvor gegen Larissa äußerst schwer getan. Mit einem 0:2 waren sie aus Griechenland zurückgekehrt, doch László Dajka machte mit drei Treffern im Rückspiel alles klar. Der ungarische Nationalstürmer war es auch, der im ersten Duell mit Hajduk den Torreigen eröffnete und nach einer knappen halben Stunde zum 1:0 einnetzte (32’). Die Antwort der Kroaten ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Cukrov erzielte nur sechs Minuten später den Ausgleich. Ein Unentschieden zur Pause, das war gegen Honvéd recht ordentlich – aber es sollte nicht sein. Nadoveza musste mit ansehen, wie seine Hintermannschaft sich plötzlich zu sicher fühlte und noch kurz vor der Halbzeit den erneuten Rückstand hinnehmen musste, als Béla Bodonyi auf 2:1 erhöhte (41’). Die Standpauke in der Kabine saß. Dušan Pešić glich unmittelbar nach dem Wechsel erneut aus, doch wieder schienen sich die Jugoslawen zu früh mit dem Remis abzufinden. In der hektischen Schlussphase kassierten sie noch einen Elfmeter, den József Varga zum 3:2-Endstand verwandelte (89’).

Ein einziges Tor im Poljud würde dennoch bereits zum Einzug in die nächste Runde reichen. Und in internationalen Heimspielen traf Hajduk eigentlich immer. Nur zwei Mal waren sie leer ausgegangen, aber das war lange her – und jeweils nur gegen britische Teams der Fall. 1967, bei der Europapokal-Premiere im Cupsieger-Wettbewerb, unterlag Hajduk Tottenham mit 0:2. Sechs Jahre später, ebenfalls im EC2, kam es gegen Leeds nicht über ein 0:0 hinaus. Gegen Honvéd dauerte es am 2. November 1983 gerade mal 14 Minuten, ehe Pešić seine Farben auf die Siegerstraße brachte. Mit dem 2:0 (61’) sorgte wiederum Pešić für die Vorentscheidung, die letzten Zweifel räumte Zlatko Vujović fünf Minuten vor dem Ende aus – 3:0.

Radnički Niš

Von den anderen 15 im Lostopf verbliebenen Teams zog Hajduk ausgerechnet den FK Radnički Niš. Die „Arbeiter“, so die Übersetzung von Radnički, machten gerade die Hochphase ihrer Vereinshistorie durch. Drei Jahre zuvor hatten sie sich erstmals für den Europapokal qualifiziert und waren nur am späteren UEFA-Pokal-Finalisten AZ ’67 gescheitert. Im Jahr darauf schafften sie es sogar ins Halbfinale des UEFA-Cups, wurden dann allerdings vom Hamburger SV gestoppt. Nach einem Jahr internationaler Pause mischte Radnički nun mit seinem 18-jährigen Juwel Dragan Stojković, der später beim Roten Stern und in der Nationalmannschaft Karriere machen sollte, wieder kräftig mit. Sowohl der FC St. Gallen (0:3) als auch Inter Bratislava (0:4) waren im Stadion Čair im gleichnamigen Park untergegangen, wie überhaupt die Süd-Serben eine makellose Heimbilanz auf der europäischen Bühne vorzuweisen hatten: 8-2-0, 24:5.

Vielleicht war es das fehlende internationale Flair, als die „Landsleute“ aus Split im Čair aufliefen, das Radnički so lähmte. Die gefürchtete Heimstärke war plötzlich dahin, Hajduk dominierte auf der ganzen Linie. Zlatko Vujović kurz vor (43’) und Vulić kurz nach der Pause (53’) besiegelten den 2:0-Auswärtssieg Hajduks, das sich schon einmal aufs Viertelfinale vorbereiten konnte. Für Radnički sollte es hingegen das bis heute letzte Europapokal-Heimspiel gewesen sein. 14 Tage später gewannen die Jungs von „Pero“ Nadoveza mit demselben Ergebnis. Wieder fielen beide Treffer in einer Spanne von zehn Minuten, Zlatko Vujović zeichnete sich als zweifacher Torschütze aus (61’, 71’).

Hajduk Split überwinterte als einzige jugoslawische Mannschaft im Europapokal. Pokalsieger Dinamo Zagreb war bereits in der ersten Runde am FC Porto gescheitert, Meister Partizan Belgrad im Achtelfinale gegen den DDR-Vertreter BFC Dynamo rausgeflogen. Dževad Prekazi hatte Partizan nach einem 0:2 in Ost-Berlin im Rückspiel mit 1:0 in Führung geschossen, aber bei diesem einen Treffer sollte es bleiben. Nicht dabei bleiben sollte es, dass der technisch hochbegabte Mann aus dem Kosovo weiter für Partizan spielte. Nach seinem Militärdienst hatte Prekazi nicht mehr in die Stammelf zurückgefunden. Sein Trainer warf ihm vor, ein Playboy und Nachtschwärmer zu sein. Fest stand, dass es mit den Schwarz-Weißen in jener Saison bergab ging. Und es war kein Geheimnis, dass Prekazi den Klub verlassen wollte. Lokalrivale Roter Stern hatte sich in Person von Ex-Stürmerstar Dragan Džajić um ihn bemüht, aber als echter Partizanovac konnte er nicht für den „Stern“ spielen. Also entschloss sich der Mann mit dem linken Hammer, im Dezember 1983 zu Hajduk Split zu wechseln und die Kroaten zu verstärken.

Sparta Prag

„Jetzt nur nicht die Engländer“, dachten sich die Hajduk-Fans, als das UEFA-Cup-Viertelfinale ausgelost wurde. Drei Mal war es zuvor zu Duellen mit Teams aus dem Mutterland des Fußballs gekommen, drei Mal – gegen Tottenham, Leeds und Arsenal – hatte Hajduk den Kürzeren gezogen. Der Kelch ging an Nadoveza und Co. vorbei. Weder Tottenham noch Nottingham wurden Hajduk zugelost, sondern Sparta Prag. Doch mit den Tschechen war nicht zu spaßen. Das Team von Coach Václav Ježek war auf dem Weg zur Landesmeisterschaft und hatte auch im UEFA-Pokal etwas Staub aufgewirbelt, als es bereits in der ersten Runde Real Madrid aus dem Rennen geworfen hatte. Dem 3:2 auf dem Letná ließen die Prager ein 1:1 im Santiago Bernabéu folgen. Das Schicksal der Granatroten schien bei einem 0:1-Rückstand in Unterzahl – Abwehrspieler Miloš Beznoska war in der 48. Minute vom Platz geflogen – bereits besiegelt. Doch Tomáš Skuhravý, nach einer Stunde erst eingewechselt und gerade mal 18 Jahre jung, brachte die 78.000 Zuschauer eine Viertelstunde vor Schluss mit seinem Ausgleichstreffer zum Schweigen.

Sieben Jahre später bei der WM 1990 in Italien sollte eben jener Skuhravý mit fünf Toren den zweiten Platz in der Torschützenliste hinter Salvatore Schillaci belegen. Skuhravý traf auch in Runde zwei gegen Widzew Łódź, im Jahr zuvor noch Halbfinalist im Europapokal der Landesmeister. Sparta setzte sich nach einem 0:1 in Polen zu Hause mit 3:0 durch. Im Achtelfinale hatten die Tschechen schließlich leichtes Spiel mit der „Elton-John-Truppe“ vom Watford FC, 3:2 siegten sie vor den Toren Londons, 4:0 zu Hause – mit einem Tor von Skuhravý.

Gegen Hajduk sollte das tschechische Sturmtalent allerdings leer ausgehen. Nadoveza hatte sich vor dem Hinspiel in der „Goldenen Stadt“ seine Notizen gemacht und wusste, auf wen er achten musste. Auf seinem Zettel standen auch Namen wie Jan Berger, Jozef Chovanec, František Straka oder Vítězslav Lavička. Und die Prager zeigten vor ihrem fanatischen Publikum, warum vielen Teams vor dem Einmarsch in das Stadion auf dem Sommerberg Letná die Knie zitterten. Doch die Hajduk-Abwehr stand sicher. Bis zur 90. Minute. Wieder einmal hatte die Nadoveza-Elf zu früh das Remis verbucht, da kassierte sie doch noch einen Treffer. Ivan Hašek gelang in den Schlusssekunden das Tor des Tages für Sparta.

Das Rückspiel an der Adria-Küste war nichts für schwache Nerven. Abwehrspieler Ivan Gudelj hatte Hajduk nach 18 Minuten in Führung gebracht und das Gesamtergebnis egalisiert, doch anschließend verflachte die Partie. Die Angst vor dem nächsten Tor war auf beiden Seiten deutlich zu spüren. Wie schon in der ersten Runde gegen Universitatea Craiova endete die Partie in Poljud nach einer 0:1-Hinspielniederlage 1:0 für Hajduk. Wieder einmal stand hinten die Null. Doch zum Erreichen des Halbfinals bedurfte es eines weiteren Treffers. Noch eine Minute. „Nicht schon wieder ein Gegentor in der Schlussphase“, dachte sich „Pero“ Nadoveza. Aber seine Jungs waren diesmal hochkonzentriert. Und da war schließlich noch „Baka“ Slišković. Der Mann für die Kreativabteilung hatte in der laufenden UEFA-Cup-Runde noch keinen Treffer erzielt. Die 119. Minute im Spiel gegen Sparta schien ihm für seinen ersten Coup geeignet, und so markierte er – als alle schon mit dem Elfmeterschießen rechneten – mit einem raffinierten Freistoß aus spitzem Winkel das 2:0. Poljud stand Kopf und Hajduk im Halbfinale, denn Sparta erholte sich von diesem Schock nicht mehr.

Tottenham Hotspur

Nun war das Duell gegen einen englischen Verein aber kaum noch zu vermeiden, denn Nottingham und Tottenham waren immer noch im Rennen. Und der dritte im Wettbewerb verbliebene Klub war kein Geringerer als Titelverteidiger RSC Anderlecht. Das Los bescherte der Nadoveza-Truppe die Hotspurs aus dem Norden Londons, aber im Gegensatz zu den vorangegangenen vier Runden musste Hajduk nun zuerst zu Hause antreten. Erschwerend hinzu kam, dass mit Zlatko Vujović ein wichtiger Leistungsträger verletzt ausfiel. Doch auch Tottenhams Coach Keith Burkinshaw hatte mit dem Nationalspieler Glenn Hoddle, dem argentinischen Weltmeister von 1978 Osvaldo Ardiles sowie Torhüter Ray Clemence prominente Ausfälle zu verkraften.

An der Adria reiften die Träume einer erfolgreichen Revanche für das Europapokal-Aus gegen die Spurs 1967 – und das erstmalige Erreichen des Finals. Die Bili, die Weißen, führten zu diesem Zeitpunkt die jugoslawische Meisterschaft an und waren zudem auf dem Weg ins nationale Pokalfinale. Niemand schien Nadoveza und seine Jungs stoppen zu können. Wäre da nicht der Unglücksrabe Ivan Gudelj gewesen. Ganze zwei Mal unterlief dem „Arbeiter“ Hajduks in seiner Karriere ein Handspiel. Beide Male gegen Tottenham. Beide Male führte es zu einem Tor. 18 Minuten waren im Poljud gespielt, da passierte ihm das erste Missgeschick. Schiedsrichter Robert Wurtz deutete sofort auf den Punkt. Zwar konnte Zoran Simović den Strafstoß Mark Falcos noch parieren und sogar einige Nachschüsse abwehren, doch schließlich bugsierte Falco die Kugel doch irgendwie über die Linie – 0:1. Immerhin machte Gudelj seinen Fehler wieder gut, als er in der 67. Minute den Ausgleich markierte. Und als Pešić nach einem Eckball per Kopf sogar den 2:1-Siegtreffer erzielte (77’), schien das Finale wieder greifbar nah. Steven Archibald – der Mann, den sie in Split am meisten gefürchtet hatten – entpuppte sich derweil in Tottenhams Angriffsreihe als Totalausfall.

Unerfreuliche Konsequenzen hatte der „Auftritt“ eines Hajduk-Anhängers in der Halbzeitpause: Im irrtümlichen Glauben, beim Wappentier der Spurs handele es sich um einen Hahn, schlachtete er ein solches Federvieh mitten auf dem Rasen. Bei der Disziplinarkommission der UEFA fand diese Aktion wenig Anklang, und Hajduk musste sein nächstes Europapokal-Heimspiel mindestens 300 Kilometer von Split entfernt austragen. Sollten die Weißen also das Finale erreichen, würden sie nicht auf ihre Heimstärke im Poljud bauen können.

Vor dem Auftritt an der White Hart Lane musste Nadoveza eine weitere Hiobsbotschaft hinnehmen: Mit Slišković fiel neben Zlatko Vujović ein weiterer Leistungsträger aus. Und nur fünf Minuten nach dem Anpfiff schlug der Coach die Hände über dem Kopf zusammen, als Gudelj – diesmal allerdings außerhalb des Strafraums – wieder ein ungeschicktes Handspiel unterlief. Michael Hazard trat zum fälligen Freistoß an und knallte den Ball durch die Mauer ins Netz. Nach nur wenigen Minuten hatten die Spurs also genau das Ergebnis, das sie zum Weiterkommen benötigten – und daran sollte sich auch nichts mehr ändern.

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Pešić mit einer Riesenmöglichkeit und Prekazi mit einem Lattenkracher ließen das Stadion noch einmal erzittern, doch nach dem Schlusspfiff lagen sich die Spurs jubelnd in den Armen. Wenige Wochen später sollten sie hier im Elfmeterschießen Titelverteidiger Anderlecht entthronen und sich zum neuen Champion krönen.

In Split herrschte hingegen Trübsal. Die große Chance, mit der goldenen Generation Europa zu erobern, war dahin. Auch in der Meisterschaft ließ sich Hajduk auf der Zielgeraden abfangen und rutschte sogar noch auf Platz fünf ab. Der Pokalsieg gegen den Roten Stern (2:1, 0:0) war da nur ein kleiner Trost. Und wegen der „Hahn-Affäre“ durften sie im folgenden Cup der Pokalsieger noch nicht einmal im Poljud antreten. Das Rückspiel gegen Dinamo Moskau – die erste Partie hatten die Russen 1:0 gewonnen – wurde nach Osijek verlegt. Hajduk unterlag 2:5.


UEFA-POKAL 1983/84

Universitatea Craiova – Hajduk Split 1:0, 1:4 n.E.
Honvéd Budapest – Hajduk Split 3:2, 0:3
Radnički Niš – Hajduk Split 0:2, 0:2
Sparta Prag – Hajduk Split 1:0, 0:2 n.V.

Hajduk Split – Tottenham Hotspur 2:1 (0:1)
Hajduk: Simović – Cukrov, Miljuš, Gudelj, Jerolimov, Rožić, Vulić, Slišković, Zo. Vujović (59’ Prekazi), Ćelić, Pešić. – Trainer: Nadoveza.
Tottenham: Parks – Thomas, Hughton, Roberts, Miller, Perryman, Hazard, Archibald, Falco, Mabbutt (68’ Crook), Galvin. – Trainer: Burkinshaw.
Tore: 0:1 Falco (19’), 1:1 Gudelj (67’), 2:1 Pešić (77’). – SR: Wurtz (Frankreich). – Zuschauer: 40.000.
Split, »Gradski stadion Poljud«, 11. April 1984

Tottenham Hotspur – Hajduk Split 1:0 (1:0)
Tottenham: Parks – Thomas, Hughton, Roberts, Miller, Perryman, Hazard, Archibald, Falco, Stevens (80’ Mabbutt), Galvin. – Trainer: Burkinshaw.
Hajduk: Simović – Vulić, Miljuš, Gudelj, J. Čop, Rožić, Jerolimov, Šušnjara, Zo. Vujović, Prekazi, Pešić. – Trainer: Nadoveza.
Tor: 1:0 Hazard (6’). – SR: Casarin (Italien). – Zuschauer: 44.000.
London, »White Hart Lane«, 25. April 1984

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