Rebellen: Luigi Meroni

Weil er die Haare lang trug, sich für Kunst interessierte und in wilder Ehe mit einer geschiedenen Frau zusammenlebte, galt Luigi „Gigi“ Meroni als erster Beatnik der Serie A. Er konnte aber auch hervorragend Fußball spielen. Seine Eleganz auf dem Platz trug ihm den Beinamen „Schmetterling“ ein. Sein tragisches Ende ist an Absurdität nicht zu überbieten.

Am 24. Februar 1942 wurde Meroni in Como geboren und startete hier auch seine Fußballer-Karriere. Bevor er 1964 zum AC Turin stieß, verbrachte er zwei Jahre bei Genoa. In Turin dribbelte der Beatnik Gedichte auf den Rasen, avancierte zum Publikumsliebling und verdiente sich den Beinamen La Farfalla Granata, der granatrote Schmetterling. Natürlich wurde „Gigi“ bald auch Nationalspieler.

Meroni liebte die Beatles und den revolutionären Lebensstil der 60er, und weil er sich weigerte, seine Zottelmähne abzuschneiden, flog er aus der Squadra Azzurra. Seiner Popularität in Turin tat dies keinen Abbruch. Die Tifosi verehrten ihren Stürmer mit der Nummer 7.

Am 15. Oktober 1967 besiegte der Toro Sampdoria zu Hause mit 4:2. Weil der eine oder andere Spieler gerade an Sonntagabenden gern Diskotheken aufsuchte und über die Stränge schlug, ordnete der neue Coach Edmondo Fabbri eine gemeinsame Übernachtung im Hotel an und entließ seine Jungs erst am Montagmorgen. An diesem 15. Oktober war das anders. Beim Abendessen redeten die Spieler so lange auf Fabbri ein, bis er endlich nachgab.

Gemeinsam mit seinem Teamkollegen Fabrizio Poletti fuhr „Gigi“ Meroni nach Hause und wollte in einer nahe gelegenen Gelateria noch ein Eis essen. Als er unvorsichtig den Corso Re Umberto überquerte, wurde er von einem Wagen erfasst und zu Boden gerissen. Am Steuer saß der 19-jährige Attilio Romero. Der Student war Fahranfänger und hatte auf dem Armaturenbrett ein Porträtbild Meronis kleben. Er war ein großer Fan des granatroten Schmetterlings. Am selben Abend erlag Meroni im Krankenhaus seinen Verletzungen. Attilio Romero hatte sein Idol getötet.

Wieder einmal waren die Granatroten von einer Tragödie gebeutelt worden. Im Mai 1949 war ein Flugzeug am Turiner Hausberg Superga zerschellt. An Bord: Die Mannschaft des Toro, die zu jenem Zeitpunkt als beste der Welt galt. Der Name des Piloten: Luigi Meroni. Grotesk.

Jahre später machte Romero Karriere, wurde Pressechef bei Fiat und stand sozusagen im Sold des Feindes. Es kam noch schlimmer: 1999 wurde Romero sogar Präsident des Toro. Was für eine Ironie des Schicksals.

Am Spieltag nach Meronis tragischem Tod gewann Torino das „Auswärtsspiel“ bei Juventus mit 4:0. Néstor Combin, der argentinische Torjäger mit französischem Pass, trotzte einem hohen Fieber, rappelte sich zu Ehren seines Freundes Meroni auf und traf drei Mal. So deutlich haben die Granata bis heute kein Derby mehr gewonnen. Kuriosität am Rande: Keines der folgenden neun Spiele, das an einem 15. Oktober stattfand, hat der Toro je verloren.

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