Lost Grounds: Alkmaarderhout

Das Alkmaarderhout, was übersetzt in etwa „Alkmaarer Wald” bedeutet, ist das kleinste Stadion, in dem jemals ein Europapokal-Halbfinale ausgetragen wurde. Kultcharakter hat diese gerade mal 8.900 Zuschauer fassende Arena aber auch vor allem deshalb, weil sie sich bis zuletzt den nostalgischen Charme der Pre-Kommerzialisierungsära bewahrt hat.

An der Tribüne bröckelte der Verputz ab, während an den Eingangstoren und Stacheldrahtzäunen der Rost nagte. Zigarettenrauch, Würstchenbuden, Freiluft-Urinoirs – überall roch es an Spieltagen nach Fußball. Und die im Laufe der Jahre nachträglich eingerichteten VIP-Bereiche bestanden lediglich aus notdürftigen Containern. Wer hier Zutritt hatte, kam aber dennoch nicht umhin, sich an den „normalen“ Fans mit Schal vorbeizuzwängen und bei schlechter Witterung mit seinen Lackschuhen über matschigen Untergrund zu laufen.

 

Doch auch AZ kam auf Grund seiner jüngsten Erfolge nicht am Bau einer neuen Spielstätte vorbei. Das DSB Stadion vor den Toren der Stadt ersetzt seit der Spielzeit 2006/07 die schnuckelige Arena an der Sportlaan, in der AZ in über 20 Europapokal-Auftritten ungeschlagen blieb. Weder der FC Barcelona, noch Inter Mailand oder die Glasgow Rangers konnten hier gewinnen.

Südwestlich des Stadtkerns in Richtung der Gemeinde Heiloo gelegen und 1948 auf dem Gelände einer ehemaligen Radrennbahn erbaut, diente das im Volksmund schlicht De Hout genannte reine Fußballstadion zunächst den „Alkmaarsche Boys“ als Spielstätte, bevor hier sechs Jahre später der neu gegründete VV Alkmaar ’54 heimisch wurde. Die Mehrzahl ihrer Spiele trug die Voetbal Vereniging allerdings noch in der angrenzenden heutigen Pferderennbahn aus. Internationalen Standard erlangte De Hout erst in den 70er Jahren, als die Gegengerade (Molenaar tribune) sowie die rechts von der Haupttribüne befindliche Jan-van-der-Ben-tribune (benannt nach einem 1975 verstorbenen Funktionär mit besonderen Verdiensten um die Fusion von 1967) errichtet und am 14. September 1977 die charakteristischen Flutlichtmasten in Betrieb genommen wurden. Die Haupttribüne aus den 50er Jahren wurde 1996 rundumerneuert.

Die Zuschauer saßen direkt am Spielfeldrand und machten dem Begriff „Zwölfter Mann“ wie kaum woanders alle Ehre. In die nordwestliche Ecke am Zandersweg ist – ähnlich wie die Kirche im Liverpooler Goodison Park – das Restaurant „De Hertenkamp“, das halb außer- und halb innerhalb des Stadions liegt, eingepfercht. Direkt nebenan, idyllisch an einem Waldstück gelegen, befindet sich hinter der Westzijde tribune ein Friedhof, dessen Ruhe allerdings nicht mehr gestört wird. Denn die leicht angerostete Arena hat ausgedient, heute befinden sich an der Sportlaan Luxus-Apartments.

Der Klub ist in das 38 Millionen Euro teure DSB Stadion am Kooimerplaza umgezogen. Das Alkmaarder Hout hat seine Pforten geschlossen – und der Europapokal eine seiner kultigsten Spielstätten verloren.

 

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